Glossar

Dioxine

Übliche Bezeichnung für die Gruppe der polychlorierten Dibenzodioxine (PCDD). Diese zählen zur Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe. Man kennt insgesamt 75 chemische Varianten - zusammen mit den chemisch verwandten Furanen (polychlorierte Dibenzofurane, PCDF) sind es sogar 210 Verbindungen. Das bekannteste Dioxin, das „Seveso-Gift“ 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo[1,4]dioxin (2,3,7,8-TCDD), ist wesentlich toxischer als alle anderen PCDD. Die Toxizitäten der einzelnen Dioxine werden üblicherweise als Bruchteil der Toxizität von 2,3,7,8-TCDD, als sogenannter Toxizitätsäquivalenzfaktor (TEF), angegeben. Dioxine entstehen bei Verbrennungsvorgängen aus Kohlenstoff-Verbindungen und organischen oder anorganischen Chlor- oder Brom-Verbindungen; fluorierte Dioxine (PFDD, PFDF) werden unter Praxisbedingungen nicht gebildet. Die PCDD- u. PCDF-Bildung verläuft am schnellsten bei ca. 300 °C u. nimmt bei 600 °C stark ab, bei noch höheren Temperaturen zerfallen Dioxine (ab ca. 850 °C). Dioxine entstehen auch beim Bleichen von Zellstoff-Rohstoffen (z. B. Papierherstellung) mit Chlor u. Natronlauge (und vermutlich auch mit anderen starken Oxidationsmitteln in Gegenwart von Chloriden). Dioxine können sich beim Erhitzen von bestimmten halogenierten Benzolen, Phenolen, Biphenylen oder Diphenylethern bilden. Selbst in der Abluft aus Gießereien und metallurgischen Prozessen wie Eisen-, Stahl-, Magnesium-, Aluminium- u. Nickel-Herstellung, Kupfer-Recycling und Gekrätzveraschung der Edelmetall-Industrie finden sich Dioxine. Im Labor entstehen Dioxine auch bei der Beilsteinprobe. Eine weitere Dioxin-Quelle ist die Kompostierung. Abfallverbrennungsanlagen sind die am besten auf Dioxin-Bildung untersuchten Emissionsquellen. Mit dem Staub sind Dioxine teilweise in der Rauchgas-Entstaubung abscheidbar. An Aktivkohle adsorbierte Dioxine werden bei der thermischen Behandlung der Kohle wie bei der Sonderabfallverbrennungsanlage (SAV) der HIM zerstört.